ROBERTO KUSTERLE

galerie GALERIE WIEN
ROBERTO KUSTERLE // METAMORPHOSEN
Vernissage: 27.10.2016 | 19 Uhr
zur Eröffnung Spricht Roman Grabner,
Universalmuseum Joanneum
Himmelpfortgasse 22, 1010 Wien
Ausstellung: 28.10. – 26.11.2016
Himmelpfortgasse 22 I A-1010 Wien
 
roberto
 
Roberto Kusterle – Metamorphosen
Im Zentrum von Roberto Kusterles langjährigem Schaffen steht der
menschliche Körper, geprägt von den elementaren Triebkräften Eros und
Thanatos, den Grundkoordinaten von Werden und Vergehen, inszeniert
in seiner Schönheit und Kreatürlichkeit, seiner Anmut und Verletzlichkeit,
seiner Fleischlichkeit und Vergänglichkeit. Kusterle zeigt diesen Körper
stets in Prozessen der Veränderung, des Wandels, der Metamorphose.
Er sucht visuelle Parabeln für die Transformationen, die der Körper im
Laufe der Zeit durchläuft, Metaphern für die Ängste und Hoffnungen, die
diesen Wandel begleiten, und greift dabei auf archaische Riten, antike
Mythen, mittelalterliche Legenden und biblische Gleichnisse zurück. Seine
Fotografien sind Reflexionen über die conditio humana, die tief in der
abendländischen Kulturgeschichte verwurzelt sind und (s)ein Denken
in Bildern dokumentieren.
Unser Denken und unsere Erkenntnisprozesse sind geprägt von einer
metaphorischen Struktur. Alles Denken beruht auf dem Herstellen
von Analogien, meint der amerikanische Physiker und
Computerwissenschaftler Douglas R. Hofstadter. Letztlich können wir
das Neue, das wir wahrnehmen, nur auf das anwenden, was wir schon
kennen. Dafür steht der Begriff Analogie. Die zentrale These von
Hofstadter ist, dass Analogien die Dreh- und Angelpunkte all unseres
Denkens sind. Das heißt, das wir auf alte Motive und Bildformeln
zurückgreifen, um neue Ideen und Erkenntnisse zu formulieren, auch
wenn die Themen zeitlos sein mögen. In seinen neuesten Arbeiten hat
sich Kusterle mit der Form, dem Leben und dem Symbol des Maulbeerbaums auseinandergesetzt. Dieser Baum, der Jahr für Jahr bis auf die Astansätze
zurückgeschnitten wird, entwickelt dadurch einen enigmatischen
Kopf aus Wucherungen und Verknotungen, der anthropomorphe Züge aufweist.
Kusterle inszeniert diese Baumrümpfe wie menschliche Gesichter.
Die Vertiefungen und Mulden, die Wucherungen und Mutationen der
Baumrümpfe werden zu Totenmasken, Schmerzensschreien und Gesichtsdeformationen. Die Natur wird animiert, der Baum zum Sinnbild. Zugleich ist der Maulbeerbaum
in Italien Symbol für eine bäuerliche Gesellschaft, für ein Leben, das noch
geprägt war von einem natürlichen Kreislauf, von bestimmten Werten,
Tugenden, Bräuchen und Sitten. Die Fotografien der mutilierten Maulbeerbäume setzt Kusterle in Dialog mit Aufnahmen von Körpern, die mit Maulbeersaft gefärbt
sind und fragmentarisch inszeniert wurden. Das Wechselspiel von Assoziation
und Irritation, von Affirmation und Aversion findet seine Fortsetzung in den menschlichen Leibern. Kusterle hat mit seinen poetischen Baum-MenschAnalogien
sein Spiel der Andeutungen und Allusionen, der Metaphern und Metamorphosen
um ein weiteres Kapitel erweitert und seine technische Raffinesse erneut
beeindruckend in Szene gesetzt.
Roman Grabner, 2016
 
 
 

 

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