Der Farbholzschnitt

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ALBERTINA

DER FARBHOLZSCHNITT IN WIEN UM 1900

Presse:
Dienstag, 18. Oktober 2016 | 10 Uhr
Eröffnug:
Dienstag, 18. Oktober 2016 | 18.30 Uhr
Initiiert von Dr. Tobias G. Natter
Kuratorin in der Albertina ist Dr. Eva Michel.
Ausstellung: 19. Oktober 2016 – 15. Jänner 2017
Albertinaplatz 1, A-1010 Wien

 

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Ludwig Heinrich Jungnickel Drei blaue Ara, 1909
Farbholzschnitt / Japanpapier

Der Farbholzschnitt in Wien um 1900
19. Oktober 2016 – 15. Jänner 2017
Wien um 1900 ist ein Schmelztiegel der Kulturen und Künste. Die Hauptstadt ist Wiege der Salons, Künstlerzirkel und Kaffeehäuser, zugleich Metropole des erlesenen Geschmacks und der Kultur der Dekadenz, Sinnlichkeit und Anmut.

Mit einer Ausstellung zum Farbholzschnitt in Wien um 1900 widmet sich die Albertina einem bislang wenig beachteten Kapitel des Wiener Jugendstils und vereint rund 100 herausragende Werke aus der eigenen Sammlung. Carl Moll, Emil Orlik, Koloman Moser u. a. entdecken um 1900 mit dem Farbholzschnitt eines der ältesten Druckverfahren der Welt völlig neu: Mit der Betonung von Umrisslinien, der Stilisierung der Motive sowie dem Spiel mit Farbkontrasten entsprechen die Farbholzschnitte dem neuen Formideal des Jugendstils und werden zu beliebten Sammlerobjekten.

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Carl Moser Bretonisches Kind, 1904
Farbholzschnitt; Japanpapier Albertina, Wien
Ob Sigmund Freud oder Arthur Schnitzler, ob Gustav Klimt, Adolf Loos oder
Karl Kraus – zahlreich und vielseitig sind die Protagonisten um die Jahrhundertwende
in der Donaumetropole. Hinzu kommt die einzigartige Lust am intellektuellen Austausch zwischen Literatur, Musik, Theater und Bildender Kunst in bürgerlichen Salons sowie alternativen Künstlerzirkeln. Literaten, Maler, Kunsthandwerker, Architekten, Journalisten und Philosophen sind eng miteinander vernetzt und kennen einander nicht zuletzt auch durch die wienerische Institution des Kaffeehauses.
Die Vorreiterrolle der Secession
Die Künstlervereinigung Secession ist ein außergewöhnliches Beispiel für jene beispiellose künstlerische Dichte in Wien um 1900 und zugleich die Keimzelle des Wiener Jugendstils. Nach ihrer Abspaltung vom Künstlerhaus 1897 brechen die Secessionisten unter der Führung Gustav Klimts mit dem rückwärtsgewandten Historismus der Ringstraßenzeit und öffnen sich der Moderne. Alle Gattungen stehen gleichberechtigt nebeneinander, und Kunst soll das gesamte Leben durchdringen. Die Secession wird rasch zur einflussreichsten Künstlervereinigung Wiens.
Auch an der Entwicklung des Farbholzschnitts hat die Künstlergruppe besonderen Anteil: Während sich Klimt selbst nicht mit dem Farbholzschnitt befasst, verhelfen ihm andere prominente Secessions-Mitglieder wie Carl Moll, Koloman Moser und Maximilian Kurzweil zwischen 1900 und 1910 zu einer ungeahnten Blüte. In ihrem Ausstellungshaus nahe dem Karlsplatz veranstalten die Secessionisten zwischen 1900 und 1904 einige vielbeachtete Ausstellungen, in denen Farbholzschnitten breiter Raum gewidmet ist. Einen Glanzpunkt des Wiener Ausstellungsgeschehens bildet 1908 die Kunstschau, in der die gesamte heimische Farbholzschnittszene vertreten ist.
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Carl Moser Fischerboot bei Ebbe, 1906
Farbholzschnitt; Japanpapier Albertina, Wien
Für die Etablierung des Wiener Farbholzschnitts ebenso wichtig sind Zeitschriften: Die luxuriös gestaltete Vereinszeitschrift Ver Sacrum (lateinisch für „Heiliger Frühling“) publiziert zwischen 1898 und 1903 rund 220 Farbholzschnitte und verbreitet so die Ideen der Secessionisten mittels anspruchsvoller Buchkunst – freilich zu einem Preis für ein elitäres Publikum. Der programmatische Titel der Zeitschrift bezieht sich auf den secessionistischen Neuanfang nach der Stagnation während des Historismus – mit kunsttheoretischen Artikeln, praktischen Beispielen der neuen Ästhetik sowie Beiträgen in- und ausländischer SchriftstellerInnen kommt das Kultblatt der Forderung Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit mehr als nur treffend nach.
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Ludwig Heinrich Jungnickel Schnitter, 1903
Spritztechnik Albertina, Wien
 
 

Die Wiederentdeckung des (Farb-)Holzschnitts
Der Holzschnitt ist damals keine neue Erfindung, sondern vielmehr die Wiederentdeckung eines der ältesten Druckverfahren der Welt: In China wird bereits im 4. Jahrhundert auf Papier gedruckt. Um 1500 erlebt der Holzschnitt mit Albrecht Dürer in Europa einen künstlerischen Höhepunkt. Den entscheidenden Beitrag zur Herausbildung des Farbholzschnitts liefern Dürers Zeitgenossen Lucas Cranach und Hans Burgkmair sowie Ugo da Carpi in Italien. Andere Drucktechniken verdrängen allerdings schon bald den Holzschnitt, der lange nur als Reproduktionsmedium dient, bis er im 19. Jahrhundert in großen Teilen Europas wiederbelebt wird. Edvard Munch revolutioniert den Farbholzschnitt und eröffnet ihm an der Wende zur Moderne radikal neue Ausdrucksmöglichkeiten.
Im Unterschied zum Holzschnitt in Schwarz-Weiß stellen Kunstschaffende beim Farbholzschnitt für jede Farbe einen eigenen Druckstock her, auf dem die Zeichnung jeweils seitenverkehrt erscheint. Auf dem Papier drucken sich die erhabenen Stege und Flächen seitenrichtig ab, während in die Druckplatte vertiefte Stellen keinen Abdruck hinterlassen. Die Druckstöcke werden nacheinander auf einen Papierbogen gedruckt und ergeben zusammen das fertige Bild. Die Farben können variiert werden, sodass es von manchen Werken unterschiedliche Fassungen gibt.
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Maximilian Kurzweil Der Polster, 1903
Farbholzschnitt Albertina, Wien
In die Ausstellung integriert sind außerdem verwandte Techniken wie der Linolschnitt, deren Ergebnisse oft kaum von denen des Holzschnitts zu unterscheiden sind. Ab 1905 entwickelt beispielsweise Jungnickel eine Schablonenspritztechnik, während Franz von Zülow 1907 für den Papierschnittdrucks ein Patent erhält.
Von Moll bis Zülow
Jedem Künstler der Schau ist ein eigener Bereich gewidmet – so ist eine intensive Konzentration auf die einzelnen Künstlerpersönlichkeiten und ihre Werke möglich: Carl Molls bekannte Stadtansichten und Koloman Mosers flächenhaft stilisierte Drucke sowie originale Druckstöcke von Maximilian Kurzweil bilden den Auftakt. Selbstbewusste Frauenfiguren von Carl Anton Reichel stehen zu Beginn der Ausstellung in krassem Gegensatz zu dem verfeinerten, schönlinigen Frauenbild des Jugendstils anderer Künstler.
Zentral in der Schau sind die farbenprächtigen Tiere Ludwig Heinrich Jungnickels: Mit viel Gefühl für Form und Bewegung erfasst er Raubkatzen oder Vögel in ihren jeweils charakteristischen Eigenheiten. Seine formvollendeten Tierdarstellungen und experimentellen Schablonenspritzarbeiten bilden den Hauptteil der Ausstellung.
Auch dem Thema Landschaft ist breiter Raum gewidmet: Sowohl die alpinen Impressionen von Josef Stoitzner als auch zahlreiche Reise-Eindrücke Carl Mosers sprechen eine klare, reduzierte und somit moderne Bildsprache.
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Ferdinand Andri
Hahn und Hennen auf der Wiese, vor 1903
Farbholzschnitt Albertina, Wien
Den Abschluss bilden die expressiven Papierschnittdrucke von Franz von Zülow, der in seinen naiven Darstellungen bäuerlichen Lebens die Ästhetik des Farbholzschnitts aufgreift, den Holzstock aber durch leichter bearbeitbare Papierschablonen ersetzt.
Die Ausstellung findet in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt statt. Initiiert wurde die Schau von Dr. Tobias G. Natter, Experte für die Wiener Kunst um 1900. Kuratorin in der Albertina ist Dr. Eva Michel.
Im Unterschied zur Frankfurter Station der Ausstellung, präsentiert die Albertina ausschließlich eigene Werke, die zu den Zimelien der Sammlung zählen. Damit zeigt sich einmal mehr die Stärke der Sammlung, die auch auf dem Gebiet der Kunst in Wien um 1900 prominente „Klassiker“ und neu zu entdeckende Schätze birgt.
Eine Ausstellung der Albertina in Kooperation mit der Schirn Kunsthalle Frankfurt.

ALBERTINA
DER FARBHOLZSCHNITT IN WIEN UM 1900
KuratorInnenführung
9. November 2016 | 17.30 Uhr | Dr. Eva Michel
Ausstellung: 19. Oktober 2016 – 15. Jänner 2017
Albertinaplatz 1, A-1010 Wien

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