JULIAN RÖDER

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HAUS AM WALDSEE
INTERNATIONALE KUNST IN BERLIN
JULIAN RÖDER – RECHT UND RAUM
Presse: Mi. 16. November 2016 | 11 Uhr
Eröffnung Do. 17.November 2016 | 19.30 Uhr
kuratiert von: Dr. Katja Blomberg
Ausstellung: 18.11.2016 – 12.02.17
Argentinische Allee 30
14163 Berlin
 
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Julian Röder, Lichtgebet am Morgen der Sommersonnenwendefeier zur Wiederbelebung der vedisch-slawischen Ahnenkultur, aus der Serie Licht und Angst, Krasnojarsk, Sibirien, 2016, Archival Pigment Print, 143 x 96 cm
Seit fünfzehn Jahren baut der in Ostberlin aufgewachsene Fotokünstler
Julian Röder (Jg. 1981) ein beeindruckendes Werk zum Thema Macht
und Ökonomie auf, das bereits internationale
Beachtung fand und nun zum ersten Mal in einer größeren Überblicksausstellung
in Berlin zu sehen ist.

Nach dem Studium der Fotografie bei Timm Rautert an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig entwickelt Röder, der zuvor bei Ostkreuz in Berlin als Fotograf ausgebildet wurde, in den frühen 2000er Jahren die künstlerische Haltung des distanzierten Beobachters. Im Fokus seiner seriellen Arbeiten stehen von Anfang an die subtilen gesellschaftlichen Veränderungen der globalisierten Gegenwart.

Beim G8 Gipfel 2001 in Genua war Röder noch selbst Teil der Demonstranten-Szene. Mehr und mehr wurde ihm jedoch bewusst, dass er nur mit dem Blick von außen zu relevanten Bildern finden konnte. Er versuchte das einzukreisen, was eigentlich in der Kritik stand. Wie sich im Laufe der Jahre zeigte, verliefen die Protestaktionen mit jedem weiteren G8 Gipfeltreffen jedoch zunehmend ins Leere. Die Veranstalter hatten die Tagungsorte in ländliche Gegenden verlegt, wo die Aktionen schließlich zu puren Verhaltensgesten erstarrten. Über das Mediale hinaus entwickelten die Aktionen kaum noch politische Wirkung. Röder hat diesen Prozess zwischen 2001 und 2008 beobachtet und in „The Summits“ festgehalten.

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Julian Röder, Sommersonnenwendefeier zur Wiederbelebung der vedisch-slawischen Ahnenkultur, aus der Serie Licht und Angst, Krasnojarsk, Sibirien, 2016, Archival Pigment Print, 96 x 134 cm

In „Human Resources“ hat Röder sich dann zwischen 2007 und 2009 auf Konsummessen begeben. Unbemerkt hat er dort Fachkunden und Verkäufer fotografiert und sein Augenmerk in der künstlichen Situation einer Messe ganz auf die Körpersprache der Beteiligten gelenkt. Röder löschte alle Logos und Namen, die im Hintergrund der Bilder erschienen, aus und legte so die Posen der Beteiligten frei, die von Künstlichkeit und medialer Konformität erzählen. Die Beobachteten werden zur Staffage einer austauschbaren Waren- und Marketingwelt.

2011 fotografiert Röder für die Serie „World of Warefare“ auf der International Defence Exhibition and Conference, IDEX, der größten Waffenmesse der Welt in Abu Dhabi. Bewusst versucht er in seinen Bildern die Situation bis zum Absurden zu überzeichnen. Ausgerechnet in einer Wüste kommen sich Macht und Ökonomie auf dieser von der Öffentlichkeit abgeschirmten Veranstaltung am nächsten.

In einer weiteren Serie, „Mission and Task“ arbeitet Röder 2012/13 mit Mitteln der Werbefotografie im Freien und setzt dabei Kunstlicht ein. Auf diese Weise führt er die geheime Infrastruktur zur Sicherung europäischer Außengrenzen vor, die wie ein Schutzwall unseres westlichen Wohlstandes fungiert. Unter harmlosen Oberflächen verbergen sich in Zeppelinen oder Heiligen-Kapellen, hinter Zäunen oder auf Satelliten modernste Überwachungssysteme, die zu Lande, zu Wasser, aus der Luft und aus dem All jeden, der in ihre Nähe kommt, beobachten und taxieren.

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Julian Röder, Ohne Titel, aus der Serie World of Warfare, Abu Dhabi, 2011, Archival Pigment Print, 70 x 90 cm

Ausstellung und Katalog stellen eine Kooperation zwischen dem Haus am Waldsee und der Akademie der Künste, Berlin dar. Im Rahmen des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste hat Julian Röder die neue Serie „Licht und Angst“ verwirklichen können, die in der Ausstellung vorgestellt wird. Dabei führt der Künstler seine Recherche zum Thema Macht und Ökonomie bis in die Bereiche Gedankenfotografie und Verschwörungstheorien fort. Er begibt sich zudem in ein Umfeld irrationaler mystisch überhöhter Gesellschaften, denen Intuition mehr gilt als rationales Denken. Dabei richtet er sein Augenmerk auf Gruppen, für die altgermanische Mythen und magische Orte größere Bedeutung haben, als wissenschaftliche Argumente.

So gegensätzlich die parallel existierenden Welten von Managern, Demonstranten und Esoterikern auf den ersten Blick erscheinen, so überzeugend arbeitet er Gemeinsamkeiten heraus: Das nicht näher definierte Böse gefährdet die Freiheit und das Glück des Einzelnen. Das Feindbild nährt sich aus Behauptungen und Projektionen. Es ist somit Konstrukt menschlicher Imagination.

Es erscheint ein zweisprachiger Katalog, Verlag Walther König, Köln. 80 Seiten, Deutsch/Englisch, € 18. Diese Publikation wurde durch das Preisgeld des Ellen-Auerbach-Stipendiums der Akademie der Künste Berlin ermöglicht.

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BEGLEITENDES AUSSTELLUNGSPROGRAMM

Akademie der Künste
JULIAN RÖDER – RECHT UND RAUM
Katalogpräsentation
„Julian Röder – Licht und Angst“
16. November 2016 | 19 Uhr
Studiofoyer,
Hanseatenweg 10 – 10557 Berlin

Eintritt frei

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Julian Röder, Der Untergang des Abendlandes, Oswald Spengler (1918), aus der Serie Licht und Angst, Archival Pigment Print, 40 x 30 cm

So. 20. November 2016 | 11-13 Uhr
Kindervernissage
Mit Yella Hoepfner, Eintritt frei

So. 27. November 2016 | 15.00 Uhr
Einblicke in die Ausstellung mit Katja Blomberg
€ 10 / Mitglieder € 7

Mi. 07. Dezember 2016 | 19.30 Uhr
Künstlergespräch
Dr. Katja Blomberg, Direktorin Haus am Waldsee im Gespräch mit dem Künstler Julian Röder
€ 10 inklusive Eintritt in die Ausstellung

Do. 08.Dezember 2016 | 20 Uhr
Kammerkonzert
Reham Fayed, Querflöte, Staatskapelle Berlin,
West-Eastern Divan Orchester
Viktor Hartobanu, Harfe, Staatskapelle Berlin
Werke u.a. von Claude Debussy und Maurice Ravel
€ 20 Abendkasse / € 18 Vorverkauf

Sa. 10. Dezember 2016 | 14-17 Uhr
Familiensamstag mit Workshop
€ 5 pro Kind, Erwachsene regulär

Führung im Dialog
Mit Yella Hoepfner      Mi. 14. Dezember 2016 | 18.30 Uhr
Mit Yella Hoepfner      Mi. 11.01.17, 18.30 Uhr
Mit Felix Becker         Mi. 08.02.17, 18.30 Uhr
€ 10 / Mitglieder € 7  

Do. 21. Dezember 2016 | 20 Uhr
Liederabend
„Schuberts Vermächtnis“
Sechs Heine Lieder
Michael Kupfer-Radecky, Bariton
Erik Schneider, Klavier
€ 20 Abendkasse / € 18 Vorverkauf

Mi. 25.01.16, 19.30 Uhr
Buchvorstellung und Diskussion
Prof. Dr. Walter Grasskamp, Kunstkritiker, Autor und Prof. em. für Kunstgeschichte an der Akademie der Bildenden Künste in München, stellt sein neues Buch „Das Museum, eine erfolgreiche Fehlkonstruktion“ vor
€ 5 

Do. 26.01.17, 19.30 Uhr
Künstleressen
Ein öffentliches Dinner in der Ausstellung, bei dem Dr. Katja Blomberg und Julian Röder

für Gespräche zur Verfügung stehen.
Catering ZAGREUS Projekt
Teilnahme 45 € exkl. Getränke
Verbindliche Anmeldung bis 23.01.17
unter
m.roloff@hausamwaldsee.de

Do. 02.02.17, 19.30 Uhr
Screening mit dem syrischen Künstler und Filmemacher Ammar al-Beik
„Clapper“, 60 Min. 2003.
Al-Beiks Portrait stellt den italienischen Jesuitenmönch und Friedensaktivisten Paolo Dall’Oglio vor, der vor 30 Jahren ein Kloster des 6. Jh. unweit von Damaskus wiederbelebt hat. 2013 wurde Paolo verschleppt. Seitdem fehlt von ihm jede Spur. Ammar al-Beik lebt und arbeitet seit 2014 in Berlin.
€ 5   

Sa. 04.02.17, 14-17 Uhr
Familiensamstag mit Workshop
Mit Felix Becker
€ 5 pro Kind, Erwachsene regulär

Die Ausstellung wird unterstützt von: Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf – Amt für Weiterbildung und Kultur, Fachbereich Kultur; Regierender Bürgermeister von Berlin, Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten; Freunde und Förderer des Hauses am Waldsee e.V.

https://www.facebook.com/Haus.am.Waldsee.Berlin/


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