Gemäldegalerie_im_Theatermuseum

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THEATERMUSEUM – KHM Wien
Palais Lobkowitz
BOSCH TRITT AUF
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast im Theatermuseum
Pressekonferenz
Montag, 6. November 2017 | 11 Uhr
Am Podium im Eroica-Saal:
SABINE HAAG, Generaldirektorin des KHM Wien
THOMAS TRABITSCH, Direktor des Theatermuseums
EVA BLIMLINGER, Rektorin der Akademie der bildenden Künste Wien
JULIA M. NAUHAUS, Kuratorin und Direktorin /Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Glyptothek der Akademie der bildenden Künste Wien
Kurator RENE SCHOBER
Anwesend:
JEROME JUNOD, Autor und Regisseur
JONAS BURGERT, Künstler
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
https://www.theatermuseum.at
http://www.khm.at/

 

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Hieronymus Bosch, Weltgerichts-Triptychon, Detail aus dem Höllenflügel, um 1490 bis um 1505 (c) Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

 

THEATERMUSEUM – KHM Wien
Palais Lobkowitz
BOSCH TRITT AUF
Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
zu Gast im Theatermuseum

BOSCH | REMBRANDT | RUBENS | TIZIAN | VAN DYCK
VON CRANACH BIS FÜGER
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Die Neupräsentation der Schausammlung

BOSCH & BURGERT
Jonas Burgert. Ihr Schön
Aus der Reihe “Korrespondenzen”
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Ausstellung: 8. November 2017 – 2. April 2018

THOMAS ENDER
Von Triest nach Rio de Janeiro
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Ausstellung: 8. November 2017 – 18. Februar 2018
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
https://www.theatermuseum.at
http://www.khm.at/
http://www.akademiegalerie.at/de/Ausstellungen/Ausstellungen%202017/Neupraesentation%20der%20Schausammlung

 

Wiedereröffnung der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
ins Theatermuseum.

Es ist soweit – die Gemäldegalerie ist von der Akademie der bildenden Künste Wien am Schillerplatz in das Theatermuseum am Lobkowitzplatz übersiedelt. Dort wird sie ab 8. November 2017 für die drei Jahre anberaumte Bestandssanierung des von Theophil Hansen errichteten Ringstraßenbaus gastieren.

Im Palais Lobkowitz werden mit Werken von Hieronymus Bosch über Rubens, Rembrandt und Van Dyck bis hin zu Tiepolo, Guardi oder Heinrich Friedrich Füger die Highlights aus dem Sammlungsbestand der Gemäldegalerie in neuer Hängung präsentiert. Weiters wird es zwei Sonderausstellungen zum Start geben, einerseits mit “Bosch & Burgert” eine weitere Folge der Reihe “Korrespondenzen”, in der ein monumentales Gemälde des Berliner Malers Jonas Burgert Boschs Weltgerichtsaltar gegenübergestellt wird. Andererseits zeigt das Kupferstichkabinett, anlässlich des 200jähringen Jubiläums der österreichischen Brasilien-Expedition, in der Ausstellung “Thomas Ender – Von Triest nach Rio de Janeiro” eine repräsentative Auswahl an Aquarellen und Zeichnungen Thomas Enders von der dreimonatigen Überfahrt nach Südamerika.

Mit einer Neuaufstellung der Sammlung ist die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien ab Herbst 2017 im Theatermuseum zu Gast – vorübergehend für ca. 3 Jahre während der Bestandssanierung des Akademie-Gebäudes am Schillerplatz.
In den prachtvollen Räumen des barocken Palais Lobkowitz werden die Spitzenwerke der europäischen Malerei permanent ausgestellt, neben dem Highlight, dem Jüngsten Gericht von Hieronymus Bosch, Hauptwerke von Lucas Cranach d. Ä., von Botticelli, Tizian, Rubens oder Van Dyck sowie von Rembrandt und den Meistern des Goldenen Jahrhunderts der holländischen Malerei. Ebenso zu sehen sein werden Werke aus dem 18. Jahrhundert und dem Wiener Klassizismus, vertreten durch Tiepolo, Guardi, Lampi oder Füger.

Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien gehört zu den international bedeutenden Kunstsammlungen Österreichs und umfasst heute etwa 1200 Gemälde vom 15. bis zum 20. Jahrhundert.

Seit Gründung der Akademie 1692 ist sie Teil einer der ältesten Kunstuniversitäten Europas. Von Beginn an diente sie als Lehrsammlung und Anschauungsmaterial für angehende Künstler_innen und für die Dozent_innen.

Den Grundstock bilden daher Aufnahmestücke von Akademiemitgliedern und Preisstücke von Studierenden sowie Werke der Professoren.

Durch das Legat von Anton Paul Graf von Lamberg-Sprinzenstein wurde die Kollektion im Jahr 1822 um herausragende Spitzenwerke europäischer Malerei bereichert. Da Lamberg-Sprinzenstein in seinem Testament festlegte, seine Kollektion solle der Öffentlichkeit zugänglich sein, führte dies zur Gründung des ersten Kunstmuseums in Wien.
Das Herzstück ist das um 1500 entstandene Weltgerichts-Triptychon von Hieronymus Bosch (1450/55-1516). Es ist das zweitgrößte Werk des niederländischen Künstlers und eines der faszinierendsten Meisterwerke der Kunstgeschichte, das bis heute Rätsel aufgibt. Es zieht den/die Betrachter_in mit einer Fülle von Details und Szenen mit Mischwesen, Monstern und Dämonen in den Bann. Boschs Mahnung, sich von den Todsünden Zorn, Völlerei und Trunksucht, Faulheit, Habsucht und Geiz, Neid, Wollust oder Hochmut und Eitelkeit fernzuhalten, hat an Aktualität nichts verloren.

Herausragende Gemälde altdeutscher und altniederländischer Malerei stammen von Lucas Cranach d. Ä., Hans Baldung gen. Grien und Dirk Bouts. Die italienische Malerei des 14. bis 16. Jahrhunderts ist mit Künstlern wie Botticelli, Antonio da Fabriano und Tizian vertreten, die italienische Barockmalerei mit Mattia Preti, Luca Giordano und Filippo Lauri. Im Venedig des 18. Jahrhunderts malten Giovanni Battista Tiepolo und Francesco Guardi.
Der Bestand an spanischer und französischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts enthält Gemälde von so bedeutenden Malern wie Bartolomé Estéban Murillo, Claude Lorrain, Claude Joseph Vernet und Pierre Subleyras.

Graf Lamberg-Sprinzenstein hatte eine ausgesprochene Vorliebe für die bürgerliche holländische Malerei des sogenannten Goldenen Zeitalters, also des 17. Jahrhunderts.

Zu nennen sind hier unter anderem Werke von Pieter Codde, Dirk Hals, Jan van der Heyden, Pieter de Hooch, Samuel van Hoogstraten, Adriaen van Ostade, Rembrandt, Rachel Ruysch, Isaac und Jacob van Ruisdael oder Philips Wouwerman.

 

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Eine Besonderheit sind Werke von niederländischen Künstlern, die nach Italien reisten, den sogenannten Italianisanten. Hierzu zählen Jan Both, Karel Du Jardin oder Jan Asselijn, von dem die Gemäldegalerie die größte Werkgruppe im deutschsprachigen Bereich bewahrt.
Die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts ist neben Werken von Anthonis Van Dyck und Jacob Jordaens vor allem bedeutend aufgrund der großen Gruppe an Gemälden von Peter Paul Rubens und seiner Werkstatt.
Neben großformatigen Werken sind hier insbesondere die zahlreiche Skizzen und Studien hervorzuheben, denn sie stammen mit Sicherheit von der Hand des berühmten Meisters selbst.

Die Schausammlung bietet dem Besucher einen Überblick über die wichtigsten kunsthistorischen Epochen vom Mittelalter bis zur Kunst um 1800 im Umkreis der Wiener Akademie.
Zu den wichtigen Malern, die damals an der Akademie lehrten, zählt unter anderem der Professor für Historienmalerei Heinrich Friedrich Füger.

Bild: Anthonis Van Dyck, Selbstbildnis, um 1614 (c) Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

Hieronymus Bosch (1450/55-1516), Weltgerichts-Triptychon, Mitteltafel, um 1490 bis um 1505, Öltempera auf Eiche, © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien.
Tizian (um 1490-1576), Tarquinius und Lucretia, um 1570 bis 1576, Öl auf Leinwand, © Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien.
Rembrandt (1606-1669), Bildnis einer jungen Frau, 1632, Öl auf Leinwand,© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien.
Peter Paul Rubens (1577-1640), Die drei Grazien, um 1626, Öl auf Eiche,© Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien.

 

 

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
zu Gast im Theatermuseum
BOSCH | REMBRANDT | RUBENS | TIZIAN | VAN DYCK
VON CRANACH BIS FÜGER
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Die Neupräsentation der Schausammlung
Ausstellung:
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
http://www.akademiegalerie.at/de/Ausstellungen/Ausstellungen%202017/Neupraesentation%20der%20Schausammlung

 

bischd-2Anthonis Van Dyck, Selbstbildnis, um 1614 (c) Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien

 

VON CRANACH BIS FÜGER zum Sammlungsfolder
Ab 8. November 2017
Mit einer Neuaufstellung der Sammlung ist die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien ab Herbst 2017 im Theatermuseum zu Gast – vorübergehend für ca. 3 Jahre während der Bestandssanierung des Akademie-Gebäudes am Schillerplatz.
In den prachtvollen Räumen des barocken Palais Lobkowitz werden die Spitzenwerke der europäischen Malerei permanent ausgestellt, neben dem Highlight, dem Jüngsten Gericht von Hieronymus Bosch, Hauptwerke von Lucas Cranach d. Ä., von Botticelli, Tizian, Rubens oder Van Dyck sowie von Rembrandt und den Meistern des Goldenen Jahrhunderts der holländischen Malerei. Ebenso zu sehen sein werden Werke aus dem 18. Jahrhundert und dem Wiener Klassizismus, vertreten durch Tiepolo, Guardi, Lampi oder Füger.
Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien gehört zu den international bedeutenden Kunstsammlungen Österreichs und umfasst heute etwa 1200 Gemälde vom 15. bis zum 20. Jahrhundert.

Seit Gründung der Akademie 1692 ist sie Teil einer der ältesten Kunstuniversitäten Europas. Von Beginn an diente sie als Lehrsammlung und Anschauungsmaterial für angehende Künstler_innen und für die Dozent_innen.

Den Grundstock bilden daher Aufnahmestücke von Akademiemitgliedern und Preisstücke von Studierenden sowie Werke der Professoren.

Durch das Legat von Anton Paul Graf von Lamberg-Sprinzenstein wurde die Kollektion im Jahr 1822 um herausragende Spitzenwerke europäischer Malerei bereichert. Da Lamberg-Sprinzenstein in seinem Testament festlegte, seine Kollektion solle der Öffentlichkeit zugänglich sein, führte dies zur Gründung des ersten Kunstmuseums in Wien.
Das Herzstück ist das um 1500 entstandene Weltgerichts-Triptychon von Hieronymus Bosch (1450/55-1516). Es ist das zweitgrößte Werk des niederländischen Künstlers und eines der faszinierendsten Meisterwerke der Kunstgeschichte, das bis heute Rätsel aufgibt. Es zieht den/die Betrachter_in mit einer Fülle von Details und Szenen mit Mischwesen, Monstern und Dämonen in den Bann. Boschs Mahnung, sich von den Todsünden Zorn, Völlerei und Trunksucht, Faulheit, Habsucht und Geiz, Neid, Wollust oder Hochmut und Eitelkeit fernzuhalten, hat an Aktualität nichts verloren.

Herausragende Gemälde altdeutscher und altniederländischer Malerei stammen von Lucas Cranach d. Ä., Hans Baldung gen. Grien und Dirk Bouts. Die italienische Malerei des 14. bis 16. Jahrhunderts ist mit Künstlern wie Botticelli, Antonio da Fabriano und Tizian vertreten, die italienische Barockmalerei mit Mattia Preti, Luca Giordano und Filippo Lauri. Im Venedig des 18. Jahrhunderts malten Giovanni Battista Tiepolo und Francesco Guardi.
Der Bestand an spanischer und französischer Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts enthält Gemälde von so bedeutenden Malern wie Bartolomé Estéban Murillo, Claude Lorrain, Claude Joseph Vernet und Pierre Subleyras.

Graf Lamberg-Sprinzenstein hatte eine ausgesprochene Vorliebe für die bürgerliche holländische Malerei des sogenannten Goldenen Zeitalters, also des 17. Jahrhunderts.

Zu nennen sind hier unter anderem Werke von Pieter Codde, Dirk Hals, Jan van der Heyden, Pieter de Hooch, Samuel van Hoogstraten, Adriaen van Ostade, Rembrandt, Rachel Ruysch, Isaac und Jacob van Ruisdael oder Philips Wouwerman.

Eine Besonderheit sind Werke von niederländischen Künstlern, die nach Italien reisten, den sogenannten Italianisanten. Hierzu zählen Jan Both, Karel Du Jardin oder Jan Asselijn, von dem die Gemäldegalerie die größte Werkgruppe im deutschsprachigen Bereich bewahrt.
Die flämische Malerei des 17. Jahrhunderts ist neben Werken von Anthonis Van Dyck und Jacob Jordaens vor allem bedeutend aufgrund der großen Gruppe an Gemälden von Peter Paul Rubens und seiner Werkstatt.
Neben großformatigen Werken sind hier insbesondere die zahlreiche Skizzen und Studien hervorzuheben, denn sie stammen mit Sicherheit von der Hand des berühmten Meisters selbst.

Die Schausammlung bietet dem Besucher einen Überblick über die wichtigsten kunsthistorischen Epochen vom Mittelalter bis zur Kunst um 1800 im Umkreis der Wiener Akademie.
Zu den wichtigen Malern, die damals an der Akademie lehrten, zählt unter anderem der Professor für Historienmalerei Heinrich Friedrich Füger.

Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien
zu Gast im Theatermuseum
BOSCH & BURGERT
Jonas Burgert. Ihr Schön
Aus der Reihe “Korrespondenzen”
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Ausstellung: 8. November 2017 – 2. April 2018
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
https://www.theatermuseum.at
http://www.khm.at/
https://www.jonasburgert.de

 

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 Jonas Burgert, Ihr Schön, 2016 (c) Lepkowski Studios 2016

 

BEGLEITPROGRAMM zur Ausstellung

Ausstellungsführungen
Samstag, 11. November 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 25. November 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 9. Dezember 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 23. Dezember 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 6. Jänner 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 20. Jänner 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 3. Februar 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 24. Februar 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 10. März 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 24. März 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 31. März 2018 | 15.30 Uhr

Kuratorinnenführungen
Mit Dr. Julia M. Nauhaus
Donnerstag, 7. Dezember 2017 | 16.30 Uhr
Donnerstag, 25. Jänner 2018 | 16.30 Uhr
Donnerstag, 22. Februar 2018 | 16.30 Uhr

Bosch & Burgert Korrespondenzen
Künstlergespräch
Donnerstag, 15. März 2018 | 19.00 Uhr
Die Wiener Kunstkritikerin Nina Schedlmayer im Gespräch
mit dem Maler Jonas Burgert, Berlin, und Julia M. Nauhaus,
Direktorin von Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und
Glyptothek der Akademie der bildenden Künste Wien

Bosch & Burgert
Korrespondenzen

JJonas Burgert zählt heute zu den spannendsten Künstlern der zeitgenössischen Figuration. Er malt monumentale, manchmal riesenhafte Bilder – wie jüngst das 22 Meter lange Werk Zeitlaich.
Seine Gemälde baut der Maler altmeisterlich auf, von dunklen Gründen zu leuchtender Farbigkeit gehend, die in ihrer Tonalität immer kühler wird. Die figurenreichen und farbintensiven, theatralischen Werke des Künstlers erzählen von Absurditäten, Widersprüchen und Hoffnungen, von unseren alltäglichen Alpträumen. Auf den ersten Blick scheint das Chaos auf den Leinwänden zu regieren. Burgert breitet ein Welttheater vor uns aus, doch geht es ihm nicht um Politik oder Gesellschaftskritik, sondern um das menschliche Grundbedürfnis von Sinnerfüllung und Sehnsucht nach Transzendenz. Der Mensch ist sich selbst der größte Feind, es geht Burgert um die innere Verfassung des Menschen, um Emotionen.

Der Künstler sagte 2013 in einem Interview: »Ich male einen Ort außerhalb der Zeit, eine Bühne, auf der wir unsere Existenz verhandeln. Mit meiner Malerei will ich Räume unserer geistigen Repräsentanz schaffen.«
In Burgerts Gemälden gibt es keine durchgehende Erzählung, collagehaft setzt er Szenen aneinander, die menschlichen Figuren sind vereinzelt. Genau dies ist
auch bei Hieronymus Boschs 500 Jahre früher entstandenem Jüngsten Gericht der Fall. Bei Bosch wie bei Burgert muss der Betrachter, die Betrachterin sich in das »Wimmelbild« einsehen, erst nach und nach erkennt er oder sie einzelne Figuren und Szenen.
Ein charakteristisches Beispiel für Jonas Burgerts Kunst ist Ihr Schön aus dem Jahr 2016, das der Maler selbst für den Dialog mit Boschs Wiener Weltgericht
ausgesucht hat.
Typisch in Burgerts Gemälden sind Personen mit turbanartigen Kopfbedeckungen, die an Bandagen erinnern, die Figuren sind umwickelt von Bändern, in diesen verschlungen, gefesselt. Die Bänder verbinden die Figuren auch. Bei Bosch werden die Menschen von Dämonen und Teufeln gemartert, zersägt, gequält und für ihre Sünden bestraft; auch Burgerts Menschen
wirken oft ernst, scheinen sich selbst zu quälen und an innerer Qual zu leiden. Bei einigen Figuren ist nicht eindeutig klar, ob es sich um einen Menschen oder
vielleicht auch um einen Affen handelt.
Die Frau mit dem gelben »Turban« in der Mitte des Bildes hat eine Hand, die aus Zweigen und Ästen besteht – Mischwesen bei Bosch wie bei Burgert.
Ein weiteres verbindendes Element zwischen den beiden Malern ist die Farbe: Bei Bosch sind es die leuchtenden Rot-, Blau- und Grüntöne in Öltempera
auf Eichenholz, die auch nach 500 Jahren nichts von ihrer Leuchtkraft verloren haben. Boschs Figuren sind ebenfalls auf dunkle, meist braune Untergründe
gesetzt. Die Farben Burgerts entsprechen dem 21. Jahrhundert, oft grell und neonfarben. Der Maler selbst äußerte: »Über die Farbe versuche ich, den Zynismus unserer Gegenwart zu dokumentieren, den scheinwerfergrellen
Unterhaltungswahnsinn der Medien, dem wir alle ausgeliefert sind.«
Und die Frau in der Mitte, die in ein schwarzweiß-gestreiftes
Tuch gehüllt ist und uns unverwandt anblickt? Ist sie eine moderne Verkörperung der Superbia, also des Hochmuts, der Eitelkeit oder des Stolzes, die bei Bosch nackt und mit gesenktem Blick von einem Drachen zum Tanz geführt wird oder ist sie ihr Gegenbild? Die Betrachter_innen sind aufgefordert, sich selbst ein »Bild« zu machen – bei Bosch wie bei Burgert.
Julia M. Nauhaus

Geboren 1969 in Berlin
1991-1996 Studium an der Universität der Künste Berlin
1997 Meisterschüler von Dieter Hacker
2006 Einzelausstellung in der Produzentengalerie Hamburg
In der Folge Einzelausstellungen in Berlin, Denver/USA, London, Tübingen, Krems, zuletzt in Hamburg (Hälfte Schläfe, Produzentengalerie, Hamburg, 2016), Bologna (Lotsucht/Scandagliodipendenza, MAMbo – Museo d`Arte Moderna di Bologna, 2016), Mumbai/Indien (Schlier, Galerie ISA, 2017) und Berlin (Zeitlaich, Blain | Southern, Berlin, 2017)
Teilnahme an zahlreichen Gruppenausstellungen in Deutschland, Belgien, Großbritannien, Österreich, Libanon, USA, Schweden und Italien
Jonas Burgert lebt und arbeitet in Berlin.
Seine Werke wurden 2011 in der Kunsthalle Krems gezeigt. Nun ist eines seiner Werke erstmals in Wien zu sehen.

https://www.jonasburgert.de

 

Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
zu Gast im Theatermuseum
THOMAS ENDER
Von Triest nach Rio de Janeiro
Eröffnung: Dienstag, 7. November 2017 | 19 Uhr
Ausstellung: 8. November 2017 – 18. Februar 2018
Lobkowitzplatz 2, 1010 Wien
https://www.theatermuseum.at
http://www.khm.at/

 

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Thomas Ender, “Die Schiffsbande während der Fahrt am Ocean. Fregatte Austria”, 1817 (c) Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien

Ansichten von Städten und deren Umgebung, die bei meist wetterbedingten Landgängen besucht wurden. Dabei nutzte Ender jede Gelegenheit seine Fertigkeiten zu erproben. Zunehmend gelang es ihm dabei die Atmosphäre, das Licht und seine wesentlichsten EindrüZum 200jährigen Jubiläum der österreichischen Brasilien-Expedition zeigt das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien Thomas Enders Aquarelle von seiner Schiffsreise nach Rio de Janeiro. Den Anlass für diese Unternehmung bildete die Vermählung von Erzherzogin Leopoldine, einer Tochter von Kaiser Franz I., mit dem portugiesischen Kronprinzen Dom Pedro, dem späteren Kaiser von Brasilien. Fürst Metternich organisierte daher auf Wunsch des Kaisers eine Expedition mit 13 Naturwissenschaftlern und dem 23jährigen Thomas Ender als Landschaftsmaler.
Seinen ersten offiziellen Auftrag als Künstler erfüllte Ender äußerst gewissenhaft. Er fertigte während der gut eineinhalb Jahre dauernden Reise mehr als 1000 Zeichnungen an, von denen sich 782 Blätter im Kupferstichkabinett befinden.
Am 28. März 1817 brach Ender von Wien nach Triest auf, wo er sich 12 Tage später gemeinsam mit anderen Expeditionsteilnehmern auf den Fregatten Austria und Augusta einschiffte. Die folgende Überfahrt über Pula, die dalmatinische Küste, Korfu, Malta, Spaniens Südküste, Gibraltar und Madeira nach Rio de Janeiro, wo die Reisegesellschaft am 14. Juli 1817 eintraf, hielt Ender in 130 Zeichnungen fest. Das Spektrum reicht dabei von Küstenpanoramen über Darstellungen des Lebens an Bord der Schiffe bis hin zu cke in oftmals rasch angefertigten Zeichnungen einzufangen.
Die Ausstellung rekonstruiert anhand repräsentativer Blätter diese Überfahrt nach Südamerika. Während Enders Brasilien-Ansichten allgemeine Anerkennung genießen, wurden die Zeichnungen der dreimonatigen Schiffspassage mehr als Studien oder Übungsblätter des jungen Künstlers eingestuft. Doch waren es gerade diese Blätter, in denen Ender die für die Brasilien-Ansichten so typischen Merkmale erarbeitete. Die Schiffsreise und die sie dokumentierenden Zeichnungen belegen nicht nur die physische Überfahrt, sondern gleichsam auch die künstlerische Entwicklung des etwas unsicheren Künstlers hin zum routinierten, sich seiner Stilmittel sicheren Landschaftsmaler. Die Ausstellung bietet die Möglichkeit, die vor 200 Jahren stattgefundene Überfahrt von Triest nach Rio de Janeiro anhand von äußerst stimmungsvollen Aquarellen nachzuvollziehen.
Text: René Schober
Zum Künstler
1793: Geboren gemeinsam mit seinem Zwillingsbruder Johann Nepomuk in Wien/Spittelberg am 3. November als Sohn eines Altwarenhändlers
1806: Gemeinsam mit Johann Nepomuk Eintritt in die “Schule der historischen Zeichnungsgründe” bei Hubert Maurer an der Wiener Akademie
1810: Übertritt in die Landschaftsschule bei Lorenz Janscha (ab 1812 bei Josef Mössmer)
1817/18: Teilnahme an der österreichischen Expedition nach Brasilien (vorwiegend in Rio de Janeiro und Umgebung; Reise nach São Paulo)
1819-1823: Begleitet Kaiser Franz I. und Fürst Metternich auf ihre Italienreise; erhält im Anschluss ein vierjähriges Rom-Stipendium
1829-1853: Kammermaler im Dienst von Erzherzog Johann zur Aufnahme der österreichischen Alpenlandschaften (Reisen in die Steiermark, Salzburg, Tirol und Südtirol)
1832: Heirat mit Theresia Arvay
1836: Korrektor der Landschaftszeichnung an der Wiener Akademie
1837: Professor für Landschaftsmalerei an der Wiener Akademie (1851 pensioniert); Bezahlung der Brasilien-Aquarelle und Zuweisung derselben an die Wiener Akademie; Begleitung von Erzherzog Johann auf dessen Reise nach Russland, Konstantinopel und Athen
1845: Ernennung zum kaiserlichen Rat
1853: Große Italienreise
1875: Stirbt Thomas Ender am 28. September in Wien
***********
THOMAS ENDER – Von Triest nach Rio de Janeiro (de)
BEGLEITPROGRAMM zur Ausstellung
Ausstellungsführungen
Samstag, 18. November 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 2. Dezember 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 16. Dezember 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 30. Dezember 2017 | 15.30 Uhr
Samstag, 13. Jänner 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 27. Jänner 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 10. Februar 2018 | 15.30 Uhr
Samstag, 17. Februar 2018 | 15.30 Uhr
Kuratorenführungen
Mit MMag. René Schober
Donnerstag, 16. November 2017 | 16.30 Uhr
Donnerstag, 14. Dezember 2017 | 16.30 Uhr
Donnerstag, 18. Jänner 2018 | 16.30 Uhr
Donnerstag, 15. Februar 2018 | 16.30 Uhr
Vortrag
Mittwoch, 29. November 2017 | 19.00 Uhr
Thomas Enders Reise auf der Fregatte Austria
von Triest nach Rio de Janeiro
Mit Robert Wagner, ehem. Direktor von Bibliothek und
Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
und Verfasser mehrerer Bücher über Thomas Ender
Lesung
Stefan Zweig – Die Welt von gestern
Donnerstag, 18. Jänner 2018 | 19 Uhr
Lesung mit Michael Heltau
Konzert und Filmabend
Neukomm on tour
Konzert mit der Academia Leopoldina, Salzburg
Mittwoch, 7. Februar 2018 | 19.00 Uhr
Mit Werken von Michael und Joseph Hadyn,
Wolfgang Amadeus Mozart, Sigismund Neukomm und anderen
Idee und Texte: Herbert Lindsberger
Saudade – Rendezvous in Brasilien
Film, Österreich 2015
Regie und Kamera: Ulrike Halmschlager
Idee, Musik und Text: Herbert Lindsberger
Der Salzburger Komponist Sigismund Neukomm (1778-1858)
begegnet 1817 in Rio de Janeiro Leopoldine von Österreich, die eben den brasilianischen Thronfolger Dom Pedro geheiratet hat.

 

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