ESTHER’S FRIENDS

ESTHER’S FRIENDS at PARALLEL VIENNA

© by Iddo Markus | All together now 2019 | oil on wood | 20 x 40 cm
https://iddomarkus.com/

ESTHER’S FRIENDS at PARALLEL VIENNA

presented by EstherArtNewsletter

ArtNetWorking

Esther – Room: 3.06 | 3rd floor

With artists from my collection: A sales exhibition of new works presented in the Petersburg hanging style.

Artists ESTHER’S FRIENDS:

Anna Attar • Amnon David Ar • Alfredo Barsuglia • Gianluca Capozzi • Rudi Cotroneo • Christian Eisenberger • Hans Glaser • Franz Graf • Mario Grubisic • Yves Hayat • Behruz Heschmat • Wolfgang Herzig • Olivia Kaiser • Merlin Kratky • Larissa Leverenz • Iddo Markus • Fabian Erik Patzak • Florian Raditsch • Hubert Scheibl • Stylianos Schicho • Karen Holländer Schnur • Martin Schnur • Felix Theile • Martin Veigl • Eva Wagner • Nazim Unal Yilmaz • Osama Zatar

http://www.estherartnewsletter.com/links

Der Überbegriff Freundschaft

Zur Ausstellung »Esther’s Friends @ Parallel Vienna«, September 2020

Von Wolfgang Koch

Die Wahlwienerin Esther Attar gehört zu jener vorteilhaften Sorte Mensch, in deren Gesellschaft sich Künstler*innen auf Anhieb wohl fühlen – akzeptiert und aufgehoben. Attars eigentlicher Charme, und zweifellos auch das Lebenselexir ihrer Ausstellung, sind vor allem der Eigensinn, das Temperament, die Neugier und Grosszügigkeit, aber auch die kindliche Masslosigkeit, mit der sie dauerhaft Expeditionen durch das unbekannte Land der Kunst unternimmt.

Attars Auftritt als Kuratorin ist selbstverständlich international ausgerichtet. Wir finden unter den 27 Teilnehmer*innen, die sie zur Parallell.Vienna-Messe eingeladen hat, Kunstschaffende aus Israel und Palästina, aus Italien und Österreich, wir stossen auf in Wien lebende US-Amerikaner und Deutsche. Esther Attar versammelt in ihrem familiären Weltdorf die Projekte von skurrilen Persönlichkeiten und von disziplinierten Arbeiter*innen am Weinberg des Herrn. Keine waghalsigen, unvernünftigen Beziehungen sind ihr Wirkungsfeld, sondern die kreative Durchmischung sämtlicher künstlerischer und menschlicher Existenzmöglichkeiten.

Theodor Gottlieb von Hippel der Ältere, ein deutscher Aufklärer des 18Cs, hat in seiner schönen Aphorismensammlung Lebensläufe nach Aufsteigender Linie (1781) die Sache einmal so definiert: »Freundschaft ist eine wechselseitige Verbindung, nach welcher einer den anderen nicht verachtet, obgleich er dessen Schwäche mit Händen greifen kann.«

Dieser Schriftsteller der Aufklärung ging davon aus, dass wir alle irgendwie schwächeln, und Freunde sollte grosszügig über die Mängel des anderen hinwegsehen. – Zwei Jahrhunderte später liegt der Fall andersherum. Attar unterstellt ihren Freunden keinen grundsätzlichen Mangel, kein sündhaftes Deformiert- und Beschädigtsein, über dem sie grosszügig die Augen zudrücken kann. Sie möchte, das wir uns alle einander ehrlich und auf der gleichen Augenhöhe begegnen.

»Freundschaft entsteht aus Qualität«, sagt Esther Attar, und das klingt nicht nur wie ein Kampfansage an den Negativismus früherer Zeiten, an die Künstlergestalt, die ein genialer Leidensbruder und ein Mängelwesen war –, Attars Bündnisprogramm ist auch eine wirkliche Kampfansage an die intransparenten Strukturen, den Filz und den Klüngel im Kunstbetrieb.

Freunderlwirtschaft ist ja eine der schlimmsten Eigenheiten in Österreich. Dabei wollen die Künstler*innen den normalen Weg nehmen, hart arbeiten und damit ihre Ziele erreichen. Was die Kreativen treibt, das ist ihr Wunsch nach Selbstbestimmung und nach dem intimer Dialog mit den visuellen Seiten der Wirklichkeiten. In der Praxis ist die Grenze zwischen nützlichen Netzwerken, Nepotismus und Klüngelei natürlich nicht immer klar auszumachen. Gerade darum braucht jeder und jede Einzelne sichere Massstäbe für die Qualität von Arbeiten. Wenn Freundschaften auf dieser Basis entstehen, sind sie in der Lage, gewaltige Gebäude zu tragen.

Attars geübte Kuratorinnenhand bestätigt uns zudem, dass Kunst als Gesprächsthema nicht gelitten hat. Von Kunst zu reden ist kein öffentliches Fehlverhalten. Gewiss, es durchbricht beim Normalmenschen die Konventionen, der Normalmensch mag sich indigniert fühlen, möchte bei Kunst das Thema wechseln oder das Gespräch beenden. Aber Attar zeigt vorbildlich, dass Kunst in unserer Gesellschaft nicht mit dieser Kommunikationshemmung belastet sein muss.

            Ich riskiere im Folgenden ein Rundgang unter Esthers Freunden, und zwar nicht in der Ausstellung, sondern im Cyberspace, wo die Teilnehmer*innen dieser Schau lachend jeden weiteren Kontakt zur Aussenwelt abwehren. Tun sie das wirklich? – Tendenziell ja, denn Webpräsenz heisst in Zeiten des Klickköderns eben nicht, sich anbiedern, heisst nicht, sich geschickt verkaufen, sondern sich rarmachen, sich dem Rennen um höheren Zugriffszahlen geschickt entziehen. Webpräsenz heisst sichtbar werden für Freunde von Freunden.

Ich verzichte bei diesem Rundgang auf den elaborierte Englischsprech der Gobalkunst. Wir haben es nicht nötig, uns ständig daran zu erinnern, dass es neben der Erst- auch eine Zweit- und eine Drittsprache gibt. Wir führen kein Doppel-, Dreifach- oder Vierfachleben. Wenn mir morgens ein Fremder im Spiegel entgegen schaut, dann rasiere ich ihn trotzdem. Wer Kunst und Literatur als Gesprächsthema vertiefen will, spricht in einer leisen einheitlichen Sprache zu sich selber.

Anna Attar 

Tochtersein und Mehrfachtalent, das schreit nach goldenem Spielzeug. In Öl oder Acryl wilde Häu-ser, Blumen, die »Fu« sagen, und anderer Nonsence, Blumen aus dem Gemeindebau, gekachelte Räume, ein makaber tanzender Magen David. Das Ichselbst als intergalaktische Maus, mit Vogel, Streifen und Hockney. Mama ist ein in den Wolken gondelndes Strohhut-UFO (Blut auf Leintuch) .

Amnon David Ar

Der glatzköpfige Autodidakt aus Israel zeichnet mit dem Malpinsel, und zwar Kamelschädel, Winke-katze, Schubertbüste, am Flughafen gestrandete Wale. Weibliches Schamhaar hebt, unter dem Vo-rwand, ihn zu verstecken, den Genitalbereich aus seiner sexuell weniger signifikaten Umgebung h-ervor. Das Memento mori: eine Zwiebelknolle neben einem aufgerissenen Karton am Fliesenboden.

Alfredo Barsuglia

Seine Titel sagen schon alles: Der Junge, der die Welt nicht berührte… Ich baue mir ein Haus mit Garten und jeder ist willkommen. – 2014 liess er kein gutes Haar an der Land Art, legte einen 3,5 m langen »Social Pool« in die südkalifornische Wüste an und schrumpfte ein Hotel auf zwei Meter Höhe. Seither ist er für Ikea ganz verloren. An den Weltsteirer erinnert eine Insel in der Feistritz.

Gian Luca Capozzi

Er war bei den Gruppenschauen »Nach dem Menschen«, »Jenseits der Malerei« und »Betrug Italien« mit dabei. Er weiss, wie man einem toten Hasen ein Bild erklärt. Er gestikuliert dem Stift spermatisch in fotografierte Räume hinein, berichtigt Salons und Wimmelbilder, Bläschen zwischen Linien. Partygirls mit Donaldschnute unter Lachgas. – Sein Namensvetter ist ein strahlender Cantautore.

Rudi Cotroneo

Eine komplett neuen Welt erschaffen? In der indivduellen Mythologie des Mailänders zieht der Ei-felturm am Metrofenster vorbei. Seine Bilder fingieren Räume, in denen sich seine Lieblingspersön-lichkeiten aufgehalten haben könnten: Nachtinseln, tropische Eilande, Fellinis Roma, die ruinierte Akropolis mit Köter. – Eine Dämmerung, in der die Sonne wirklich untergeht, das heisst explodiert.

Christian Eisenberger

Wie lange ist man eigentlich ein Shooting-Star? Das innere Haus ist unkomfortabel, das Kernselbst ein versteinertes Substrat staubiger Gemeinplätze. Also muss Feuer zu Feuer. Der Weltsteirer ob Semriach liess eine vom Blitz gemordete singalesische Palme zersägen und verbrannte die Bretter, um die verkohlte Natur vom Fluch ihrer Unfruchtbarkeit wieder zu erlösen. Transmedia Perplexum.

Hans Glaser

Collagist, Cyanotypist, Druckgrafiker, Oberösterreicher, Ostereier-Esser, Studienreisender. Jede Rolle hat ein eigenes Leben. Glaser entflieht nicht der inneren Feminuncula, verdreht Lippen in der Verti-kalen zu Schamlippen, schnallt dem Jesuskind Dynamit auf die Brust, schnitzt schönere Schwem-mhölzer als die Brandung der Bucht von Saint-Malo. Er ist 72 Jahre jung und macht das trotzdem.

Franz Graf

Die Generation Konzept schweisst Abstraktions- und Assoziationsketten, appelliert an unterbewuss-te Prozesse, damit du die Gegenwart neu bewertest. Graf ist kein Fliesstext-Besitzer, er sammelt vi-suelle Codes, Absonderlichkeiten, benutzt Sprache und ihre Überlagerungen, Graf baut Glaspaneel-en, lässt metallerne Kreisscheiben als ornamentale »Bezeichnungen einer Liebe« in den Boden ein.

Mario Grubisic  

Miró fand noch Einsamkeit auf Mallorca. Grubisics Sommer ist Miró auf Pilzen. Sein Wetter: endlose Regenwände. Ein Triest ohne Himmel kennt er überhaupt nicht. Da eine Person kein Museum ist, erhält jeder Draht seinen hölzernen Keil oder seinen Ziegelklotz. Stilleben 1: blaue Flaschen, gelbe Zitrusfrüchte, weisse Toilettenpapierrollen. 2: gelbe Ananas, grüne Porzellan-Ananas, roter Paprika.

Yves Hayat

Was zeigt ein freier Geist im Zeitalter der romantischen Selbstüberbelichtung? Bilder, die Auswege aus ihren Rahmen suchen. Das Parfum der Revolte: Kiew N° 6. Religion: so konfus in Hindi wie in Aramäisch. Der Krieg: eine tätowierte, suizidierte, jedenfalls aber eine gezeichnete Madonna. In den Collagen Politik des Orients und auf der Libanon-Flagge schliessen alle Köpfe fest die Augen.

Behruz Heschmat

Urs Widmer hätte das Haus Goethes sehen können, stünden nicht so viele andere Häuser dazwisc-hen. Herr H. baut seines in Richtung des unseren. Es ist seine Kaaba, schwarz oder auf einem Bau-m, oder schwarz auf einem Baum. Sein Blick kreuzt den einer Sie; lächelnd geht sie vorüber. In der Dunkelheit der Nacht sucht er ein Blatt, damit er von der Dunkelheit der Nacht schreiben kann.

Wolfgang Herzig

Nachkriegserprobter, tyrannenfester Phantomarzt aus der Generation Handke. Wäre um 1500 ein Freskant geworden. Feiert die Madonna im Einsiedeglas, den Muttertag mit Irokesin, die Frau mit Vogelhut und Hund, das Schwein mit Reiter. – Allegorien auf den Glückstrug. Wozu ein bejahendes Weltbild? Vermag jemand bei Tageslicht das Tragische und das Komische noch zu unterscheiden?

Olivia Kaiser

Abstrakte Manöver im Klee-Gelände; und mit dem Schlagregen da hätte Maria Lassnig unbedingt ihre Freude gehabt. – Ach, der hermeneutische Dialog mit der Geschichte der Avantgarden! Der herrliche Schein der Symmetrie von Alt und Neu. Bedrohte Subjektivität, Tagauge, Unglücksvogel, Schwulen-Bommel, Engelbengel, rauchendes Männchen – Mehrdeutigkeiten, studiert über Jahre.

Merlin Kratky

Der Wiener begann mit der Spraydose und fand zur Skulptur. Er hält die Realität für optional und träumt von dem Tag, an dem die Philosophie Mainstream wird. Ein schwieriges Unterfangen, solan-ge er mit dem Kabaretthumor seines Lehrer in Konkurrenz tritt. – Knochen! Noch grössere Knoch-en! Sie sollten auf Reisen gehen, Willy Puchners Pinguine ablösen: »Die Sehnsucht der Knochen«.

Larissa Leverenz

Drüber hängt immer eine Uhr: über der Denkfabrik, über dem weissen Kamin, hängt in der Serie Wesen und Ketten immer eine Uhr. Die Kölnerin lebt in Wien, mischt Techniken, hört Lou Reed. Sie musste sich schon einmal als »irrsinnige Architektin einer technokratischen Zukunft« loben lassen. Dabei ist das am häufigsten wiederkehrende Motiv bei ihr der Flugtraum. Darüber hängt eine Uhr.

Iddo Markus

Der nächste Foto-Rekonstrukteur und Wimmelbild-Flüchtling. Er ersetzt die Galerie der Gruppen-portraits am Zimmerschrank durch pastos aufgetragene Körper in stürmischen Farben. Bedeutun-gen wachsen bis zur Todesstunde durch Materialisierungen zu. Rote Schlipse, Röhrenhosen, Ges-chlechterdismophismus. Das Glück: unsterbliche Gesten. Der Mond: eine Wunde in der Sonne.

Fabian Erik Patzak

Das unhässlichste Gebäude auf der Wagramerstrasse, Fenster in der Oxford Street. – Er verzichtet auf Zeit und erfindet Erfahrungen, um einen Raum zu konstruieren; will einer Sache auf den Grund gehen, sie von jeder schützenden Hülle befreien und das Wesentliche freilegen: die Stille inmitten des nicht zu sehenden Trubels malen. Reduzierte Sehnsuchtsarchitekturen, verweichlichter Beton.

Florian Raditsch

Dass der Ururur-Neffe Alfred Kubins in Kalifornien geboren wurde und sich die Zeichnungen seines Vorfahren immer wieder ansieht, glauben wir sofort. Er zeigt Hottentottenschürzen, hat es mit Ein-schlägen, mit Reisetickets zum Mond (Raketen, Pilze) und der Bewusstwerdung schöner, böser Bil-der. Das Geheimnis sucht er in der Opazität des Faltenkörpers, Farben borgt er bei Luis Barragán.

Hubert Scheibl 

Bekennender Psychonaut, ritzt Tapeten, spachtelt Träume, spannt das Sehen in Flächen auf zwis-chen Einschreiben und Einfrieren der Zeit. »Letztlich werden wir Sternenstaub«. Die Durchlässig-keiten zerfransen sich in farblichen Absplitterungen und Verwerfungen. King-Kong-Ratten, Pappma-chebäume. – »ln der Alchemie des Sehens ist die Grenze unsere Bilder die Grenze unserer Welt.«

Stylianos Schicho 

Nein, dieser eindringliche Augenauftritt! – Man meide diese Elevatorparty. Viel zu eng stehen alle Personen herum, treten einander auf die Füsse. Aussagelose Mimik, Verkürzungen, Durchleuchtun-gen der Körper. Schicho zeichnet immer dasselbe Bild, so einer ist das, zerteilt es in Fragmente, in das Wenigste dessen, was vom Gezeichneten übrig bleibt. Das Fragment lässt sich kaum zeichnen.

Karen Höllander Schnur

Selbstbildnis mit Fön, mit Apfel, mit Schamhaar, müde, als Hampelfrau, die Revolutionsarchitektur des Narrenturms als Rock um die Hüfte, eine entspannte Position suchend, unter der Rettungsfolie, im Labyrinth der Unsicherheitsnadel. Lichtblick- und Fallstudien, Eisblumen-Gesichter, wie Gemüse wartende Menschen, Fluchtwege. Das Wollknäuel im Schlosspark, die Plastiktüte vor dem Fenster.

Martin Schnur

Rabiatcollagist und Display-Artist, der im Outback fliegende Spiegel installiert, Orientteppiche unter schroffe Felsen legt, Models Schatten platzieren oder auf Treibholz schlafen lässt. Sein Bild von der Frau: quecksilbrig muss sie sein, dann darf sie sich auf das Spiegelbild des Himmels legen und bei Apfelmus mit einer tödlichen Dosis Phenobarbital darauf warten, dass sie ein UFO besteigen kann.

Felix Theile  

Erzähle es den Bäumen, dass da ein Hamburger in Wien das Erzählen in Illustrationen simuliert, die nichts ausserhalb des Kopfes bebildern. Der Siebdruck-Virtuose zeigt nostalgisch comicshafte Szenen, die den Höhepunkt eines unbekannten Ereignisses anzeigen. Mal frisst Alltägliches, mal versteckt Mysteriöses die Pointen. Alles kommt in Fahrt, aber immer bleibt die Geschichte aus.

Martin Veigl

Der Maler des urbanen Flows spricht den Bann über eine konstruierte Masse, er setzt sie dem Swimmingpool-Blau aus, verhängt Lebenslänglich für falsche Gesichter. »Ich habe mich dem Grundcharakter des Malens verschrieben«, sagt Veigl. Noch so einer, der uns eine intergalaktische Mitfahrgelegenheit zur nächsten Stufe, zum Next Level, anbietet. Haben wir denn Besseres zu tun?

Eva Wagner

Nein, nicht die Urenkelin des Komponisten. Ein Strassenkompagnon in Dakar,… am Rad, vor der Nacht, bei den Fischern. Der Morgen am Wasser und die fliegenden Schönheiten im Garten der Er-innerung. Kontakt mit verstorbenen Wiesenstücken, wie in Geisterfotografien der Spiritisten. Bild-impressionen, vorsätzlich durch einen Schleier. Verletzliche Seele, bandagiert mit Transparentfolien.

Nazim Unal Yilmaz

Fahnen zerrinnen, Samen verwirbelte umher, die Starken verleihen Heiligenscheine an die Schwa-chen, und die blondgelockte Justizia schlummert den Schlaf der Ungerechten. Klare Aussagen mit figurativer Malerei will er machen, dieser Fundamental-Ethiker einer besseren Welt. Noch ist er kein Volkstümler, doch die Abstrakten sind degeneriert, die Avantgarden ebenso. Utopia erwache.

Osama Zatar

Er kommt aus seiner Mutter Wosama. Schön, dass er das ist. Ziehen deine Flipflops aus Schwer- metall an den Beinen, geh besser barfuss. Palästinas Zukunft ist die Hypothek, Israels Gegenwart: mischehen-feindlich. Die Provokationskunst-These, dieser verwesende Leichnam des 20Cs, gebiert unverhofft ein Kind, das noch in der unmöglichsten Lage zu spielen vermag. Mit MNS am Gesicht.

***

Unmöglich dieses Messe-Feuerwerk summarisch zu überschauen, alle oben in dem Gewölbe explodierenden Körper zugleich in den Blick kriegen: die Professorenrhetorik und die Rabulistik der Jugend, die Spurensuche in Avantgarden und Retrogarden, in Comics und Fantasy, das aufgeregte Aufsteigertum und das unaufgeregte Auch-Malen und Auch-Zeichnen.

Es gibt im Kulturgeflecht eine Menge Gegenwarten – ihre Zahl gleich der Zahl der Vergangenheiten und der Zahl der Zukünfte. Die Kunst hat es im generalisierten Sprachenwirrwar der Gegenwart nicht leichter als, sagen wir, Politik, Religion oder Medizin. Vieles, was über Generationen selbstverständlich war, bricht heute vor unseren Augen weg. Warum zum Beispiel existieren Druck- und Acryfarben überhaupt auf Erdölbasis? Sie existieren nur, weil irgendwann einmal die Entscheidung getroffen wurde, dass wir Autos mit Verbrennungsmotor fahren.

Warum leben wir in einer überkontrastierten visuellen Welt der feinkalibrierten Farben? Wollen wir wirklich, dass sich immer häufiger kontrafaktisches Wissen, also das Meinen und Behaupten ohne Überprüfungsbedingungen, gegenüber dem Kompetenzprinzip durchsetzt? Und wie ertragen wir in Stadt und Land Umgebungsbedingungen, unter denen ein Mensch der Antike augenblicklich wahnsinnig geworden wäre?

            Hundert Stunden im Jahr basteln Berufstätige in der computerisierten Arbeitswelt an den Folien für Powerpointvorträge herum, nach denen sich kein Mensch erinnern kann, was der Vortragende gesagt hat. Die Erbauer von Eigenheimen erscheinen heute mit Farbfächern für Lacke bei den Baufirmen und entscheiden ohne Prüfung bei verschiedenen Lichtverhältnissen auf dem Putz in zehn Minuten, mit welcher Fassadenfarbe sie die nächsten dreissig Jahre verbringen wollen.

            Unter diesen Voraussetzungen von visueller und intellektueller Senilität werden die Arbeiter*innen der Kunst zu den Hütern von Stille und Handwerk, von Zurücknahme und von Ökonomie, von Qualität und Bewusstheit, sie bewahren das Angemessene, den vernünftigen Konsens gegenüber den Schönheitsbildern einer individualisierten Gesellschaft, und es hat unter diesem Blickwinkel nichts Harmloses, es hat absolut nichts mit Geschmack oder Spass zu tun, Freundschaften mit ihnen zu teilen.

© Wolfgang Koch 2020

Wolfgang Koch, österreichischer Kunstpublizist und taz-Blogger. AktuelleBuchpublikationen im Wiener Hollitzer Verlag: »Finding Hermann Nitsch.Aktionskunst im 21. Jahrhundert« (2019), »Jeden Tag Cowboy. Biographie des Extremkünstlers Viktor Rogy«, 555 Seiten, 96 Abb. (erscheint im September2020).

http://blogs.taz.de/wienbloghttp://blogs.taz.de/wienblog

de.wikipedia.org/wiki/Wolfgang_Koch

PARALLEL VIENNA

22.- 27. September 2020

Preview: Tuesday, 22. September 2020 | 12 – 5 pm (by invitation only)

Opening: Vernissage: Tuesday, 22. September 2020 | 5-10 pm

(by invitation only)

Opening Hours: Wed- 23.09. – Sun. 27.09.2020 | 12 – 7 pm

Esther – Room: 3.06 | 3rd floor

Rooftop Bar: Opening times during the fair (Tue – Sun):

Opening Hours: (Tue-Sun):Cafeteria from 12 p.m.

Bar open 17:00 – 01:00

Esther Attar-MachanekArtNetWorking | Collector | Curator | Press

estherartnewsletter.com/linksparallelvienna.com

PARALLEL VIENNA

22-27 September 2020

WKO office building

atRudolf – Sallinger -Platz 1, 1030 Vienna, Austria

https://parallelvienna.com/

Parallel – https://www.facebook.com/events/2691542537791315/

Esther – https://www.facebook.com/events/3230363640388400/

https://allevents.in/vienna/esthers-friends-at-parallel-vienna/80002881003953

ABOUT PARALLEL VIENNA

PARALLEL VIENNA takes place for the eighth time in Vienna from 22th to 27th September 2020 and sticks to its approach of using temporarily vacant buildings as a presentation platform for contemporary art. This year PARALLEL VIENNA takes place in a former WKO office building at RUDOLF-SALLINGER-PLATZ 1, 1030 Vienna.

PARALLEL VIENNA presents young and emerging as well as established artistic practices and brings together art initiatives of every kind – art associations, galleries, project spaces, off spaces and artist spaces – , both Austrian and international, all under one roof. It thus combines local artistic creation with international trends and contributes to building networks and fosters exchanges between artists, curators, collectors and exhibition visitors.

PARALLEL VIENNA is a hybrid between art fair, exhibition platform and artist studio. It unites exhibitions made by commercial galleries (GALLERY STATEMENTS — each with a solo presentation of an artist), off-spaces and art associations (PROJECT STATEMENTS – a solo or group show) and solo presentations by selected artists (ARTIST STATEMENTS or artistic INTERVENTIONS in the building invited directly by PARALLEL VIENNA). Instead of the usual booths at art fairs, each exhibitor occupies a separate room of the building in which the exhibition is presented. These site-specific artworks and interventions are the trademark of PARALLEL VIENNA and make the fair a unique and alternative exhibition format outside the“white cube. As a curated art fair participation is upon invitation by the curatorial team only.

EXHIBITORS LIST

EXHIBITORS 20

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